Mittwoch, 24.04.2019 04:58 Uhr

Marcel Duchamp. 100 Fragen. 100 Antworten.

Verantwortlicher Autor: Staatsgalerie Stuttgart / Michael Settele Stuttgart, 05.02.2019, 07:52 Uhr
Presse-Ressort von: Michael Settele Bericht 6248x gelesen
Marcel Duchamp
Marcel Duchamp  Bild: Staatsgalerie Stuttgart, © Association Marcel Duchamp/ VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Stuttgart [ENA] Wie kaum ein anderer Künstler veränderte Marcel Duchamp mit seinem Werk und seinen Schriften unsere Sicht auf die Kunst. Indem er einen Alltagsgegenstand zum Kunstwerk erklärte und als Erfinder des Readymade die Kunstgeschichte revolutionierte, wurde er zum Vordenker vieler Konzeptkünstler.

Wie kaum ein anderer Künstler veränderte Marcel Duchamp mit seinem außergewöhnlichen Werk unsere Sicht auf die Kunst. Mit seinem Konzept des Readymade und seinen komplexen Notizen wurde er zum Vordenker einer ganzen Generation von Konzeptkünstlerinnen und Konzeptkünstlern. Bis heute sind seine Ideen von erstaunlicher Aktualität. Immer wieder fordern sie dazu auf, die eigene Kunstauffassung zu überdenken.

Erstmals zeigt die Staatsgalerie Stuttgart noch bis zum 10. März 2019 ihren umfangreichen Duchamp-Bestand in einer Ausstellung. Einflussreiche Werke aus der eigenen Sammlung, wie das Readymade »Flaschentrockner« und das Fensterobjekt »La Bagarre d’Austerlitz« (»Die Schlägerei von Austerlitz«), treffen dabei auf bedeutende Leihgaben aus internationalen Museen und Sammlungen. Darunter die vom Nachlass autorisierte Kopie von »La Mariée mise à nu par ses célibataires, même« (»Die Braut von ihren Junggesellen nackt entblößt, sogar«), das sogenannte »Große Glas« aus dem Moderna Museet in Stockholm.

Ergänzt werden die Werke durch das Duchamp-Archiv des Schweizer Künstlers und Forschers Serge Stauffer, der dieses in jahrzehntelanger Beschäftigung mit Duchamp zusammengetragen hat. Die »100 Antworten«, mit denen Duchamp 1960 auf Stauffers »100 Fragen« reagierte, ermöglichen nicht nur besondere Einblicke in Duchamps künstlerisches Denken, sie zeigen auch die außergewöhnliche Forschertätigkeit Stauffers. Fast vierzig Jahre nach dem Erscheinen seines Standardwerks »Marcel Duchamp. Die Schriften« im Jahre 1981 wird Serge Stauffer erstmals als einer der wichtigsten Vermittler der Ideen Duchamps im deutschsprachigen Raum gewürdigt.

Stauffers exzessive dialogische Beschäftigung mit Duchamp ist auch für die Vermittlung der Ausstellung zentral: 100 Postkarten zum Mitnehmen bilden einen Parcours durch die Ausstellung. Auf den Karten finden sich 100 Fragen und 100 Antworten zur Bestands- und Werkgeschichte der gezeigten Arbeiten sowie zum Gesamtwerk und Leben Duchamps. Das Besondere daran: Die Gestaltung der 100 Postkarten und deren Installation in der Ausstellung hat der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth für die Staatsgalerie entwickelt. Kosuth ist insbesondere von Duchamp beeinflusst und mit Stuttgart seit seiner Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in den 1990er-Jahren eng verbunden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen in Deutsch und Englisch mit Essays internationaler Autorinnen und Autoren: Stefan Banz, Carlos Basualdo, Susanne Bieri, Lars Blunck, Deborah Bürgel, Gorka Couvrat Desvergnes, Dieter Daniels, Paul B. Franklin, Thomas Girst, Michael Hiltbrunner, Corinna Höper, Alexander Kauffman, Susanne M.I. Kaufmann, Joseph Kosuth, Herbert Molderings, Arnaud Obermann, Christian Sander, Gregor Wedekind (Prestel Verlag).

Vollständige Bildcredits: Marcel Duchamp, de ou par MARCEL DUCHAMP ou RROSE SELAVY, Boîte-en-valise, (1941) 1966, Serie F, 75 Ex., unnummeriert;Pappschachtel mit rotem Leder überzogen, innen rotes Leinen, Miniaturrepliken und Farbreproduktionen von Werken Duchamps (80 Teile), Staatsgalerie Stuttgart - Alle Bildrechte liegen bei der Staatsgalerie Stuttgart und dürfen für Pressezwecke verwendet werden

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.